Lars in Straßburg

 
26April
2015

Ein paar spannende Wochen

Das Praktikum geht gut voran und ich habe schon einige Ergebnisse, obwohl letzte Woche nicht ganz so viele hinzugekommen sind. Ich habe mit elektrochemischen Messungen angefangen aber leider sind die Resultate nicht nur für mich verwirrend. Eigentlich sind alle im Arbeitskreis etwas ratlos. Mal sehen was die nächsten Tage so bringen.

Mein letzter Beitrag war vom Ostersonntag. Einen Tag später hatte ich noch frei und ich bin mit dem Zug nach Barr gefahren. Von dort aus bin ich Stück auf dem GR 5 Richtung Süden gelaufen. Zwischen Weinbergen ging es über Mittelbergheim nach Andlau. Letzteres taucht in den meisten Reisführern gar nicht auf ist aber deshalb besonders sehenswert. Es ist nicht von Touristen überrannt und ich würde sagen genauso schön wie die bekannteren Orte. Von dort aus bin ich noch ein Stück in den Wald hinein, bis mich der kalte Wind in die Flucht geschlagen hat. Ganz hatte der Winter sich noch nicht verzogen. Um den Weg nicht zu verlieren und den Zug noch zu bekommen, bin ich auf dem gleichen Weg wieder zurück. Eigentlich wollte ich noch eine Tasse Kaffee trinken, aber die Lokale haben mir alle nicht so gut gefallen.

Das Wochenende darauf bin ich mit Freunden nach Selestat gefahren und wir haben bei der Gelegeenheit auch die anliegende Haut Koenigsbourg besichtigt. Diese mittelalterliche Burg wurde von Kaiser Wilhelm II. zwischen 1900 und 1908 wieder aufgebaut, um mit Sicherheit auch den neu gewonnenen Anspruch auf das Elsass zu unterstreichen. Abgesehen von der interessanten Geschichte ist die Burg wirklich sehenswert. Selten hat man die Gelegenheit in einer komplett aufgebauten Burg durch Wirtschaftsräume, Waffenkammer und Gemächer zu schlendern. In Selestat selber wollten wir eigentlich in die humanistische Bibliothek. Diese ist aber bis 2017 wegen Bauarbeiten geschlossen. Stattdessen sind wir ins Maison du Pain, eine Bäckerei mit angeschlossenem Museum. Dort wird die Geschichte des Brotes und seiner Herstellung gezeigt. Zum Abschluss bekommt jeder Besucher ein frisches Brötchen aus eigener Produktion. Wenn man schon da ist sollte man sich die tollen mittelalterlichen Kirchenfenster in der Église Saint-Gearges nicht entgehen lassen. In der Église Saint-Foy begrüßt einen altes romanisches Kirchenportal. In der Krypta wartet dann eine etwas gruselige Überraschung.

Am Sonntag bin ich mit meinem Arbeitskreis und dem kanadischen Gastprofessor ebenfalls zu Haut Koenigsbourg gefahren. Das war gar nicht schlimm, denn das Wetter war viel besser und beim zweiten Mal sieht man noch ganz andere Dinge. Anschließend sind wir mit dem Auto die Route des vins abgefahren und haben die kleinen Orte auf dem Weg angesehen. In Riquewihr gab es in der hübschen Innenstadt Mittagessen. Der historische Stadtkern ist noch fast ganz vollständig erhalten und wirklich schön hergerichtet. Die Kriege haben auch hier nicht alle Orte verschont. Zwischendurch wurde noch eine kleine Weinprobe bei einem der Winzer gemacht und bei der Gelegenheit die eine oder andere Flasche Wein gekauft. Anschließend ging es nach Kayserberg. Dort steht das Geburtshaus von Albert Schweizer. Auch sonst ist Kayserberg sehr schön und hat eine lange Geschichte vorzuweisen. Ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte hat als nötige Stärkung nach dem aufregenden Tag gedient.

Das Wochenende danach hat mich Mathias, ein alter Schulfreund, besucht. Den Stadtrundgang, den ich mit meinem Bruder zwei Wochen vorher eher zufällig gemacht hatte, haben wir perfektioniert und in den zwei Tagen wirklich viel von der Stadt gesehen. Das Wetter war super und fast schon sommerlich. Obwohl ich jetzt schon einige Monate hier bin, wird es niemals langweilig durch die Stadt zu gehen. Hier ist immer was los und man entdeckt ständig neue Orte. Samstag Früh haben wir den Markt auf dem Boulevard de la Marne ein Frühstück besorgt. Dort gibt es regionale Spezialitäten und alles was man sonst noch so braucht. Es ist auch kein Widerspruch, wenn ein Stand Tomaten, DVD´s und Autoreifen verkauft. Die frittierten Fischfrikadellen im Krabbenschale sind zwar vom Aussehen gewöhungsbedürftig aber richtig lecker. Besonders toll ist die Aussicht vom Barrage Vauban auf die Innenstadt. Am Quai Finkwiller gibt es übrigens einen tollen Burgerimbiss. Das Café Gourmand (9 Quai Finkwiller) hat riesige und super leckere Burger. Eine gute Alternative, wenn einem die Restaurants in der Innenstadt sonst zu teuer sind. Natürlich haben wir noch viel mehr gesehen, aber das wird jetzt ein bisschen zu viel.

 

Dieses Wochenende habe ich mir gar nichts vorgenommen. Ich habe meine Höhle wieder in eine Wohnung verwandelt, eingekauft und mit den Lieben zuhause und in Belfast telefoniert. Die letzten Wochen waren super spannend, da braucht man auch mal Zeit zum Runterkommen.

Nächstes Wochenende kommt mich Roland aus Aachen besuchen. Darauf freue ich mich schon sehr und ich bin gespannt welche Ecken wir dann erkunden.

05April
2015

Frohe Ostern

Wie schon im letzten Beitrag angekündigt habe ich das Praktikum im Arbeitskreis von Prof. Weiss vor drei Wochen angefangen. Ich bin sehr nett aufgenommen worden und bin hier erstklassig betreut. Das Schöne, wenn man an Porphyrinen arbeitet ist die Farbe. Jedes Produkt ist schön bunt und hat eine etwas andere Farbe. Das letzte Mal, dass ich richtig OC gekocht habe ist schon einige Jahre her und ich hatte fast vergessen wie viel Spaß das machen kann. Zur Zeit mache ich so richtig Chemie wie man sich das immer vorstellt. Große Kolben viel Lömi und schön farbige Produkte.

Nach dem anfänglich eher holprigen Start an der Uni hier bin ich wirklich froh, dass es sich jetzt so positiv entwickelt hat. Unter der Woche bin ich recht lange im Labor und neben der Arbeit mache ich nicht so viel. Das ist aber nicht so schlimm, denn es gefällt mir sehr gut und so langsam stellen sich auch die ersten wirklich interessanten Ergebnisse ein.

Über das Wochenende vom 19. bis zum 23. März hat mich dann mein Bruder besucht. Donnerstagabend haben wir schon mal genutzt, um elsässische essen zu gehen. Die Suche nach einem geeigneten Restaurant in der Innenstadt gestaltete sich etwas schwierig, weil es gar nicht einfach ist ein ordentliches Restaurant zu finden, das keine Tourifalle ist. Schließlich haben wir dann doch noch was gefunden und für Marc gab es Choucroute ganie alsacienne und für mich Schweinebraten.

Am Freitag hat sich Marc mein Rad ausgeliehen und während der Sonnenfinsternis alleine die Stadt erkundet. Am Abend haben wir dann die Stadt unsicher gemacht. Samstags waren wir dann zu nicht viel mehr aufgelegt als zu schlafen, zu essen und abends einen Spaziergang in den Parc de l´Orangerie zu machen. Dort haben wir im Dämmerlicht schon die ersten Störche gesehen und Marc war ganz wild darauf am nächsten Morgen noch einmal im Tageslicht vorbeizuschauen. Das haben wir dann auch gemacht. Anschließend ging es zum Europaparlament. Inzwischen wurde es immer kälter und windiger und das Loch in unserem Bauch immer größer. Bevor es was zu essen gab haben wir aber noch unser Pensum abgearbeitet. Wir sind bei heulendem Wind auf die Kathedrale gestiegen und haben uns eine kalte Nase geholt. Nach einem ganzen Tag umherlaufen muss die Pumpe noch mal richtig arbeiten. Wieder zuhause angekommen haben wir mit erschrecken den Kühlschrankinhalt inspiziert. Aber auf meinen Bruder ist immer verlass, er kann auch ohne Zutaten was tolles Kochen. Montag früh ist er auch schon wieder gefahren.

 

Das Wochenende drauf fing ganz harmlos mit einer dieser Küchentreffen am Freitagabend an. Eine Party kann man das nicht mal richtig nennen, aber wie das immer so ist das sind die gefährlichsten Abende. Samstag früh hat dann auch mein Handyakku aufgegeben und ich bin glücklicherweise von alleine um 07:58 aufgewacht. Für die geplante Tour des ESN durchs Elsass war es da eigentlich schon etwas spät. Zum Glück habe ich Eva erreicht, die ebenfalls die Tour gebucht hatte. Sie konnte mich beruhigen, dass für Erasmus-Studenten immer mit einer halben Stunde Luft geplant wird. So konnte ich mit einem Kickstart in den Morgen doch noch an der Tour teilnehmen. Als erstes stand das Weingut Klipfel in Barr an. Dort haben wir zuerst im Weinkeller einiges über die Herstellung des Weines und die verschiedenen Rebsorten gelernt. Anschließend ging es ins Lokal wo die verschiedenen Weine probiert wurden. Für neun Uhr früh und einen noch etwas schwachen Magen war das nicht ganz einfach, aber nachdem zweiten Glas Wein hatte ich mich dann wieder daran gewöhnt. Gestartet wurde mit einem trockenen Riesling, um dann mit einem halbtrockenen Pinot Gris weiterzumachen. Gefolgt von einem Lieblichen Muscat und einem wirklich süßen Gewürztraminer.

Als nächstes ging es nach Ribeauville. Dort war Mittagessen eingeplant, das sich jeder nach Belieben selber suchen konnte. Eva und ich haben beschlossen bei dem guten Wetter nicht in einer dunklen Stube zu hocken und lieber was auf die Hand zu nehmen und den Ort und die Umgebung zu erkunden. Das war nachdem wir die Geschichten über eher schlechte Restaurants gehört hatten und selber ein tolles überbackenes Brot bekommen hatten eindeutig die richtige Wahl. Wir haben es zwar nicht ganz bis zum Château de Saint-Ulrich geschafft, aber eine tolle Aussicht auf das Dorf haben wir allemal bekommen.

Die nächste Station war das Weingut Meyer auf der Route des Vins in Blienschwiller. Ja die Straße heißt echt so. Das Weingut ist ein wirklich kleiner Familienbetrieb, bei dem Vieles noch von Hand gemacht wird und einen ganz besonderen Charme hat. Besonderer Stolz ist der Schaumwein, der wie Champagner gemacht wird aber nicht so heißen darf. Ich muss sagen das hat nur wenig mit dem süßen Sprudelwein aus dem Supermarkt zu tun.

Ziemlich geschafft ging es wieder zurück nach Strasbourg. Gut ausgeschlafen habe ich Sonntag früh das Zoologische Museum besucht. Das beherbergt eine wirklich beeindruckende Sammlung an ausgestopften, getrockneten und eigelegten Tieren, wahrscheinlich sollte man aber besser präpariert sagen. Die Exponate reichten von skurril bis eindrucksvoll und zeugen von der langen Geschichte des Museums. Besonders die Große Sammlung von Vogeln aus aller Welt und nachgebaute Ameisenhaufen sind ein Hingucker. Das Museum ist am Wochenende ein Richtiger Magnet für Eltern mit ihren kleinen Kindern. Die sind dann immer total begeistert von den ganzen verschiedenen Tieren.

Den Nachmittag habe ich damit verbracht mich auszuruhen und für die nächste Woche fit zu machen.

Dieses Wochenende habe ich schon am Donnerstagabend begonnen. Wir sind mit dem Arbeitskreis ins L´Homme Sauvage essen gegangen. Das liegt südlich der Innenstadt abseits der Touristenströme und ist eine echte Empfehlung, wenn man gutes Essen zu realistischen Preisen sucht. Das war ein wirklich schöner Abend.

Freitag habe ich eine Radtour den Rhein hinauf gemacht. Die deutsche Rheinseite gibt zumindest den Eindruck wie der Fluss mal ausgesehen hat, bevor er in das Betonbett des Rheinseitenkanals gezwängt wurde. Entlang von Auwälder und Altarmen, begleitet von allerlei Wasservögeln und durch Schwärme von frisch geschlüpften Mücken, bin ich zur Naturschutzinsel Rohrschollen gefahren. Die ist eher ein nasses Stückchen Land mit dem keiner was anzufangen wusste und so hat man Hochspannungsleitungen drüber gelegt. Im Gestrüpp tummeln sich jetzt eine ganze Menge Vögel aber trotzdem ein bisschen enttäuschend. Immerhin wird man am Eingang darüber informiert welche positiven Auswirkungen der Rheinumbau auf die Natur gehabt hat. Entlang des Kanalbeckens habe ich mich dann wieder Richtung Strasbourg gemacht. Ein Foto zu machen habe ich nicht übers Herz gebracht. Wirklich erstaunlich was der Mensch für eine Energie aufbringt, um ein Gewässer einzupferchen. Immerhin werden jetzt nach fast fünfzig Jahren Fischtreppen um die Kraftwerke gebaut.

Gestern war ich morgens einen Großeinkauf in Kehl erledigen, damit ich an den Feiertagen nicht verhungern muss. In strömenden Regen bin ich schwer beladen wieder nach Hause gekommen, um dann direkt wieder aufzubrechen. Es ging nach Ikea. Mit Eva und Esko bin ich durch die verschiedenen Abteilungen gestreift und habe natürlich auch die ein oder andere nützliche Kleinigkeit gefunden. Die obligatorischen Köttbullar gab es selbstverständlich auch nur heißen die hier Boulettes. Ziemlich geschafft aber gut ausgestattet ging es nach Hause. Auf dem Rückweg hat dann aber mein Fahrrad aufgegeben. Das viel zu alte Kettenfett zusammen mit dem Regenwasser haben eine feste Pampe um die Kassette gebildet und es ging nicht mehr viel. Schnell wurde eine Dose WD 40 gekauft und das Rad zuhause demontiert gereinigt und wieder zusammengesetzt.

Das Ergebnis habe ich heute nach einem super Mittagessen (Gulasch, Nudeln und Kohlgemüse) ausprobiert. Den schon bekannten Weg am Rhein entlang und zwischen den Feldern zurück nach Kehl. Zwischendurch hatte ich ein bisschen Angst vor Regen, die Wolken haben sich aber schnell wieder verzogen.

Ich denke jetzt seit ihr erst mal wieder auf dem neusten Stand.

13März
2015

Ende der Prüfungen

Das letzte Update ist ja schon eine Weile her. Seitdem habe ich nicht so recht die Ruhe gefunden etwas zu schreiben. Die Zeit bis zum 19.02. habe ich tatsächlich fast ausschließlich am Schreibtisch verbracht und für die Klausuren gebüffelt. Zwischendurch habe ich es tatsächlich geschafft ein Bankkonto zu eröffnen und das Wohngeld zu beantragen. Als ich schon ganz zuversichtlich für die Klausuren in Aachen war, habe ich erfahren, dass die Prüfungen in Strasbourg an statt wie im Plan angekündigt im Mai schon im März waren. Die Überraschungen bleiben nicht aus, so auch nicht die positiven wie die eine Woche Urlaub, die den französischen Studenten Zeit für die Vorbereitung auf die Klausuren gab und mir recht stressfrei die Möglichkeit die Klausuren in Aachen zu schreiben

Dann ging es auch schon mit dem Bus nach Deutschland, wo ich bei Rudi und Kathi untergekommen bin. Am 20.02. stand meine erste deutsche Klausur an, die auch gut gelaufen ist. Am Anschluss haben wir in Aachen ein bisschen gefeiert, weil zumindest Rudi seine letzte Masterklausur geschrieben hatte. Den Tag darauf habe ich meinen Kopf gepflegt, Roland besucht und so allerlei Kleinzeug erledigt.

Direkt im Anschluss ging es zu meinen Eltern, wo Geburtstage nachgefeiert wurden und der Stress der letzten Wochen etwas sacken konnte. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit bahnte sich dann auch die Sonne ihren Weg durch die Wolken. Beim ersten Unkrautzupfen des Jahres habe ich mir dreckige Fingernägel und verdammt gute Laune geholt.

Mit Kuchen gestärkt bin ich am Mittwoch dem 25.02. nach Köln zu fahren, um Anja am Flughafen abzuholen. Wie der Zufall es so wollte standen Familienfeierlichkeiten in Grevenbroich an, zu denen auch Anja aus Nord-Irland eingeflogen ist. Wir hatten ein paar wunderbare Tage zusammen mit der Familie und zu zweit. Bei einem kurzen Ausflug nach Schloss Dyck haben wir auch schon die ersten Frühlingsboten geknipst.

Am Sonntag ging es dann auch schon wieder nach Aachen für die nächste Klausur den Montag drauf. Zwar hatte ich die Woche davor nicht mehr besonders viel gelernt, aber ich war frühzeitig fertig geworden. Der eigentliche Termin wurde nämlich kurzfristig vom 10.02. auf den 02.03. verschoben. Die Klausur ist sehr unspektakulär gewesen und schon einen Tag später habe ich die Nachricht erhalten, dass meine letzte Masterklausur bestanden ist.

Viel Zeit zum Feiern blieb aber nicht. Schon am Dienstag ging es zurück nach Strasbourg, da am Mittwoch meine erste kleine Präsentation auf Französisch anstand. Den Folien über On-Wire Lithographie wurde im Bus der letzte Schliff gegeben und der entsprechende Text auswendig gelernt. Der Vortrag ist dann auch echt gut gelaufen. Um das ein bisschen zu feiern, habe ich mir den Donnerstag frei genommen und an einer schon etwas länger vom International Office geplanten Tour durch das Europaparlament teilgenommen. Das kann ich wirklich nur empfehlen. Das Gebäude sieht von außen ja schon groß aus, aber von innen ist es noch einmal so beeindruckend. Der Große Plenarsaal ist tatsächlich nur ein Ei in dem noch viel größeren Gebäude drum herum. Natürlich gab es auch noch eine Nachhilfestunde im politischem System der EU und aktuellen Ereignissen.

Vor ziemlich genau einer Woche habe ich dann angefangen für die Klausuren hier in Strasbourg zu lernen. Viel Zeit hatte ich nicht und es war ein echter Marathon. Für jede Vorlesung hatte ich weniger Zeit und ich muss sagen, dass intensives Lernen hier ohnehin nicht viel nützt. Entweder sind die Fragen sehr unkonkret gestellt und man muss sich die Antwort erarbeiten oder die Frage ist nicht so schwer. Um Kurz Luft zu schnappen bin ich am Sonntag durch den botanischen Garten gegangen und habe ein paar Fotos geschossen. Gestern Abend war dann wirklich die Luft raus und ich hatte schlicht weg einfach keine Lust mehr. So war es besonders erleichternd heute die letzte Prüfung fast vollständig ohne lernen doch ganz gut über die Bühne zu bringen.

Wenn man das alles hintereinander bringt waren die letzten Wochen ja doch aufregend und vor allem erfolgreich. Vor mir liegt jetzt ein Wochenende, an dem ich noch nicht allzu viel geplant habe und einfach die Seele baumeln lasse. Montag fängt auch schon das Praktikum an. Mal sehen was mir das so bringt.

06Februar
2015

Fôret de la Robertsau

Die meiste Zeit diese Woche habe ich am Schreibtisch verbracht und mehr oder weniger produktiv gelernt. Um nicht komplett dem Wahnsinn zu verfallen, habe ich am Dienstag mit Freunden das Unikino besucht, welches für 2 € ein Semester lang Filme zeigt. Danach wird über die meist Gesellschaftskritischen Filme diskutiert. Am Mittwoch gab es Kultur der anderen Art. Das Lokal Au Brasseur bietet eine Auswahl selbst gebrauter Biere, die sehr lecker und in der Happy Hour auch bezahlbar sind.

Heute habe ich beschlossen das Wochenende vorzuziehen. Die trockene Heizungsluft at mich austrockenen lassen wie eine Rosine und ich brauchte dringend frische Luft und Abwechslung zum bläulichen Glimmen meines Bildschirmes. Also bin ich mit Rad in den Fôret de la Robertsau gefahren. Der eisige Nordwind hat mich gut durchgepustet bis ich ankam, aber im geschützten Bruchwald lässt es sich angenehm fahren. Das Fahrrad hat sich auf den zum Teil schlammigen Wegen gut bewährt. Direkt am Anfang des Waldes wird man von nicht ganz thematisch passenden Hochlandrindern begrüßt. Im Wald verstreut finden sich so einige Relikte unfriedlicher Zeiten. Das Elsass ist eben schon immer Grenzgebiet gewesen und jede Seite hat fleißig Bunker gebaut. Gut, dass wir die nicht mehr brauchen.

Der Traum von einer heilen Naturlandschaft zerplatzt sobald man den Rhein erreicht. Der ist in ein Bett aus Beton gepfercht und fließt etwa vier Meter über der umgebenden Landschaft. Der Anblick ist irgendwie verkehrt und kommt so stabil vor wie ein Ei, das auf einem Essstäbchen balanciert wird.

Die vielen Vögel scheint das alles vollkommen egal zu sein und so habe auch ich beschlossen mich wieder in den Wald zu begeben. Als meine Füße endgültig zu Eis geworden waren habe ich mich dann auch wieder auf den Heimweg gemacht. Auf jeden Fall zu empfehlen.

Rheinufer Hochlandrinder

02Februar
2015

Trockene Füße fürs Fahrrad

Jetzt da ich ein eigenes Fahrrad habe, macht man sich natrürlich Gedanken, wo das gute Stück die Nacht verbringen soll. Nachdem es jetzt zwei Nächte heil im Freien überstanden hat, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es etwas Besseres verdient hat als nass zu werden. Das ist nicht nur besser für das Rad sondern auch für meine Nerven, denn Einzelteile oder ganze Räder bekommen hier schon mal Fernweh.

Also habe ich einen sichereren Platz gesucht. Mir war schon in den ersten Tagen klar, dass es eine Tiefgarage unter dem Haus sein muss, denn ich hatte den Notausgang gefunden. Rein kommt man da ber nicht. Leider ist der Weg etwa so gut ausgeschildert wie italienische Bushaltestellen. Nach kurzem Suchen war die einzige Tür mit einer Treppe nach unten gefunden. Dort angekommen bin ich dann etwas ziellos umhergeirrt, bis ich tatsächlich einen Abstellraum für Räder gefunden hatte. Nachdem ich Informationsschilder verschiedener Sprachen und anscheinend auch Epochen entschlüsselt hatte, fand ich auch den Ein- und Ausgang. Richtige Detektivarbeit.

Probleme einen Platz zu finden hatte ich nicht. Mein Rad steht jetzt mit vier anderen warm und trocken, wohingegen etwa fünfzig ein trauriges Dasein vor dem Haus fristen. Da bin ich wohl nicht der Einzige, der es nicht auf Anhieb gefunden hat. Es gilt wie immer: Wenn man sich auskennt ist alles ganz einfach.

01Februar
2015

Es geht voran

Das Praktikum ist organisiert und der nötige Papierkram auch fast vollständig erledigt. Das ist für mich diese Woche das Wichtigste. Leider habe ich noch immer kein französisches Bankkonto, was für viele Angelegenheiten sehr wichtig ist. Die Öffnungszeiten und mein Tagesablauf stehen einfach in einem krassen Gegensatz zueinander. Die administrativen Angelegenheiten werde ich mit etwas Glück in ein paar Tagen bis Wochen hinter mich gebracht haben, je nachdem wie viel noch dazukommt.

Was die Mobilität betrifft bin ich auch einen gewaltigen Schritt weiter gekommen. Ich habe ein Fahrrad. Das habe ich gebraucht bei Euro Vélo bekommen, dieser Laden ist ein echter Geheimtipp. Die Räder sind in einem guten Zustand, nicht zu teuer und vor allem bekommt man eine Quittung mit der man nachweisen kann, dass man das Rad zumindest nicht selber geklaut hat. Das scheint hier nicht ganz unwichtig zu sein. So richtig einladendes Wetter zum Fahren ist aber zurzeit nicht -Schneeregen bei 3 °C.

Die erste richtige Erasmus-Party habe ich auch ohne bleibende Schäden überstanden. Ich lasse es aber lieber ruhig angehen, ich bin ja keine 20 mehr ;-)

Seit gestern Nachmittag kann ich behaupten richtig in Straßburg angekommen zu sein, denn ich fahre zum Einkaufen nach Kehl. Samstags bewegt sich eine Karawane von Familienwagen, Kombis und Fahrrädern ins benachbarte Deutschland, um kostengünstig einzukaufen. Vor allem Fleisch und Milchprodukte sind da viel günstiger. Dafür ist die Auswahl an Obst, Gemüse und Käse in Deutschland eher mager. Das Niemandsland zwischen dem Bassin des Remparts und dem Rhein besteht aus einem Containerhafen und allerlei benutzten und unbenutzten Industriebauten. In naher Zukunft kann man diesen unangenehmen Teil umgehen, da die Straßenbahn bis nach Kehl verlängert wird. Für mich sind es nur 10 Minuten mit dem Rad und ich werde auch in Zukunft lieber an der frischen Luft unterwegs sein.

23Januar
2015

Und dann kommt doch alles ganz anders

Letzte Woche Freitag hat das International Office der Uni Straßburg einen Informations- und Aktionstag für alle Austauschstudenten mit anschließender Stadtrally organisiert. Es gab erst Frühstück, dann viele Zettel und Flyer und danach Essen in der Mensa. Die meisten Abläufe waren mir schon bekannt, weil ich schon fast eine ganze Woche Unialltag hinter mir hatte. Die Anschließende Rally fand im strömenden Regen statt. Nichtsdestotrotz haben wir mit nassen Füßen und laufenden Nasen den dritten Platz erstritten. Zum Aufwärmen ging es ins „Irish Pub“ mit einem echt irischen Barkeeper und Livemusik.

Nachdem ich die wirklich vollen ersten Tage hinter mich gebracht hatte, habe ich eher zufällig erfahren, dass die Kurse bereits in ein paar Wochen zu Ende sein werden und alle ein Praktikum absolvieren. Damit kann ich mir jetzt auch erklären warum ich so viel in der Uni sitze. Danach hätte ich hier meine Zeit bei gutem Wein und Käse leider etwas unproduktiv gestaltet. Da dieses Praktikum in Frankreich anscheinend wohl bekannt und gängig ist, hat man mich anscheinend vergessen zu informieren. Als ich dann geschafft hatte den Masterkoordinator zu erreichen, war er ebenfalls der Meinung ich würde mich in einer eher unglücklichen Situation befinden. Glücklicherweise konnte er mir versichern, dass in Straßburg wirklich jeder über den Semesterverlauf informiert sei. Wie beruhigend…

Nach der nicht zu verachtenden Schrecksekunde habe ich meinen Ansprechpartner an der Heimatuni informiert. Er hatte recht schnell eine Lösung zu Hand. Der Plan ist jetzt ebenfalls ein Praktikum zu absolvieren, das mir dann auch angerechnet wird. Wenn das alles klappt, kann ich auch noch von der etwas chaotischen Situation profitieren. Es gilt wie immer: Nerven nicht verlieren, das regelt sich alles schon.

In den Vorlesungen komme ich immer noch gut mit und inzwischen verstehe ich schon manchmal das, was meine Kommilitonen sagen. Das letztere ist mit Abstand das Schwierigste, denn meistens habe ich den Kontext nicht mitbekommen und die Liebe zu Abkürzungen und Umgangssprache macht es auch nicht einfacher. Insgesamt bin ich aber ganz zufrieden. Mit ein bisschen Übung wird das schon.

15Januar
2015

Uni mal anders

Nach einer guten Woche an der fremden Uni sind mir schon einige Unterschiede aufgefallen. Das Wichtigste zuerst: Es gibt keinen festen Stundenplan. Die Vorlesungen finden statt sobald der Professor da ist, Zeit hat oder ein Raum frei ist. Das hat zur Folge, dass es gar nicht so leicht ist einen Stundenplan zu basteln, der sich das ganze Semester nicht überschneidet. Ich glaube das habe ich ganz gut gemeistert. Zusätzlich habe ich diese und nächste Woche sehr viele Veranstaltungen. Nach den ersten Wochen habe ich dann aber schon einige Veranstaltungen vollständig abgeschlossen.

Die einzelnen Veranstaltungen dauern hier zwei Stunden. Die Meisten machen auf der Hälfte 15 min Pause. Die einzelnen Veranstaltungen sind in der Regel so angeordnet, dass vor dem Mittag zwei und danach zwei sind. Die ersten Vorlesungen waren hauptsächlich Wiederholung und für mich ein super Sprachkurs. Durch die etwas längere Dauer der einzelnen Stunden können sich die Dozenten mehr Zeit nehmen die einzelnen Sachverhalte zu erklären. Es ist mir außerdem aufgefallen, dass hier viel weniger Beispiele gegeben werden. In Vorlesungen zuhause wird häufig das grundlegende Prinzip sehr kurz erläutert und dann kommen hunderte Beispiele. Hier gibt es -wenn überhaupt- sehr wenige und sehr einfache Beispiele. Dieses Vorgehen nimmt einiges an Druck raus und lässt Zeit mehr in die Tiefe zu gehen. Wie ich finde ein gelungenes Konzept.

Viele Dozenten sprechen Französisch auch als Fremdsprache. Daher reden sie nicht ganz so schnell und ich kann besser folgen. Am Ende des Tages brummt mir aber immer gewaltig der Schädel. Da bin ich froh hinter mir die Tür schließen zu können und gemütlich was zu essen.

Für viele von euch vielleicht besonders interessant: die Mensa. So langsam habe ich es verstanden. Es kostet eigentlich immer alles gleich viel, egal was man nimmt. Zu dem recht kleinen Hauptgericht kann man sich einen Salat, ein Dessert, Früchte, Mayo, Ketchup, Senf, Brot und Käse nehmen. Wasser ist ohnehin kostenlos. Wenn man das noch nicht ganz verstanden hat, knurrt einem nach dem Essen immer noch der Magen. Den Speiseplan habe ich aber noch nicht so ganz durchschaut, ich lasse mich einfach überraschen und stelle mich in eine der Schlangen. Bis jetzt wurde ich noch nicht enttäuscht.

Da ich neben den Veranstaltungen hier noch Klausuren in der Heimat vorbereite, Papierkram erledige, Sprachtests und –kurse mache, habe ich neben der Uni noch nicht viel gemacht. Vielleicht gibt es nach dem Wochenende was spannendes zu berichten.

10Januar
2015

"Dem Straßenverlauf sehr lange folgen."

„Dem Straßenverlauf sehr lange folgen.“ So hört sich das an, wenn einem das Navi den Weg auf der A61 von Köln Richtung Straßburg erklärt. Wer sonst die Strecke mitten durchs Ruhrgebiet zu seinen Eltern kennt bekommt hier fast Langeweile. Man bekommt einen Eindruck wie Autofahren in den 80er Jahren gewesen sein muss, nix los! Nach einigen Kaffeepausen erreichte ich Straßburg schon gegen 12 Uhr. Den Schlüssel holte ich um 14 Uhr ab und bezog dann auch direkt mein Zimmer. Nachdem ich den recht geräumigen Leihwagen durch den Feierabendverkehr zur Sixt Station am Hauptbahnhof manövriert hatte, genehmigte ich mir eine Pizza auf dem Heimweg.

Das Wohnheim ist inmitten einer Wohnsiedlung gelegen, die man unschwer als Bauprojekt aus den 50er und 60er Jahren erkennen kann. Da alles sehr sauber und gepflegt ist, muss ich mich nur an die vielen rechten Winkel gewöhnen. Das Zimmer ist ebenfalls sehr sauber, nur weiß ich bis jetzt noch nicht, was ich mit dem ganzen Platz anfangen soll. So viele Sachen habe ich ja gar nicht. Aus meinem Fenster habe ich sogar so etwas wie Rheinblick. Es ist zwar nicht der Rhein, sondern das Bassin des Remparts, aber was sind schon Namen.

Entgegen der Ankündigung war heute richtig schönes Wetter und ich habe die nähere Umgebung erkundet. So richtiges Winterfeeling kam bei 18 °C aber nicht auf. Den vielen Schwänen im Bassin de la Citadelle scheint das aber sehr zu gefallen. Der nächste Supermarkt war recht schnell gefunden und die wichtigsten Dinge eigekauft. Jetzt habe ich einen Wasserkocher und kann Kaffee machen. So fühlt man sich doch etwas mehr zuhause. Der frisch gekaufte Badreiniger verspicht 100 % aller Keime zu töten – daran besteht absolut kein Zweifel…

05Januar
2015

Auf einmal geht alles ganz schnell

Schon vor über einem Jahr begannen die Vorbereitungen auf den Auslandsaufenthalt, der jetzt so kurz bevorsteht. Ich stand da gerade am Beginn meines Masterstudiums und hatte mir fest vorgenommen ein Semester in Frankreich zu studieren, der Sprache und natürlich der Leute wegen. Die Wahl fiehl leicht, denn ich kannte Straßburg schon recht gut durch einen Urlaub vor einigen Jahren. Damals sagte ich "Wow, an so einer Uni möchte ich auch mal studieren.", ohne damit zu rechnen, dass es in gar nicht all zu langer Zukunft so sein würde.

Zur Vorbereitung besuchte ich Sprachkurse, um mein eingerostetes Französisch aufzupolieren und füllte schier endlos wirkende Stapel von Formularen aus. Letztendlich hat dann alles geklappt und ich wurde angenommen, die Förderung wurde bewilligt und eine Wohnung gestellt. Wichtig ist hier: Früh anfangen, Gedult haben und Ruhe bewahren, denn jedes Problem lässt sich lösen.

Die erst endlos erscheinende Vorbereitungsphase hat bald ein Ende. Jetzt werden schon die ersten Sachen in die Kisten gepackt und die letzten Prüfungen kurz vor Abfahrt vorbereitet. Ich befinde mich also in der heißen Phase.

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.